Wo steuert der Einkauf hin? Trendstudie 2035+

Unternehmen und insbesondere der Einkauf stehen vor großen Herausforderungen. Zu nennen sind z.B. der Wandel der Beschaffungsmärkte, Digitalisierung, zunehmende Konflikte in den Beschaffungsmärkten, künstliche Intelligenz und der demografische Wandel sind nur einige Punkte. Aber wohin steuert der Einkauf? Dieser Frage hat sich die Unternehmensberatung der KPMG in einer Studie gestellt und zeigt vier mögliche Szenarien für den Einkauf bis zum Jahr 2035 auf.

1. Szenario | R.I.P.-Procurement

„Rest in Peace“ – der Einkauf „ruht in Frieden“, weil sich in diesem Szenario die Technologie so stürmisch weiterentwickelt hat (Vertikalachse), dass Einkaufsprozesse weitgehend vollautomatisiert ablaufen und daher der Einkauf in der heutigen Form schlicht nicht mehr vorkommt. Künstliche Intelligenz (KI) ist weit verbreitet und Unternehmen organisieren sich
hauptsächlich dezentral (Horizontalachse).“

… und der Einkauf?

Die taktischen und operativen Aufgaben des Einkaufs haben in der Regel die Systeme, Maschinen, vernetzten cyber-physischen Geräte und künstlichen Intelligenzen übernommen. Die strategischen Entscheidungen, beispielsweise für Lieferantenpartnerschaften im Unternehmensnetzwerk, trifft nicht mehr der Einkauf, sondern das Produktmanagement und die Produktentwicklung oder die
Geschäftsleitung – und sogar diese Entscheidungen werden von den Systemen vorbereitet und fundiert.

Deshalb gibt es im eigentlichen Sinne keine Einkaufsfunktion mehr.

Der Einkauf hat sich selbst nach und nach durch technische Innovationen und Algorithmen abgeschafft. In ähnlicher Weise wurde der Vertrieb transformiert. Im R.I.P.- Szenario ersetzen die Suchmaschinenoptimierer den traditionellen Vertriebler. Die Systeme wickeln vollautomatisch alle rahmendefnierten Prozesse ab. Sie beschaffen Material/Dienstleistungen, lösen die Bestellung aus, überwachen sie und lernen sogar aus aufgetretenen Fehlern. Die Überwachung der Systeme und ihre Überprüfung auf Inkonsistenzen wird von sogenannten Data Strategists und System Operators übernommen. Über Kosteneinsparung wird in diesen Tagen der Cloud-Dominanz und -Transparenz nur noch wenig gesprochen. Es geht vielmehr um Systemstabilität und die Gewinnung der besten Partner für das eig

2. Szenario | Der Einkauf als Zentrum der Macht

In diesem Szenario ist die Digitalisierung ebenfalls weit fortgeschritten, jedoch wird der Mensch noch nicht durch Automatisierung substituiert). Es herrscht vielmehr eine demokratische Koexistenz. Die Digitalisierung hat sich nicht als Jobvernichter erwiesen, sondern im Gegenteil zu vielfältigeren Rollen, Aufgaben und Verantwortungen geführt.

.. und der Einkauf?

Das bedeutet für den Einkauf: Es herrscht das Primat des Einkaufs. Die Einkaufsabteilung ist zum zentralen Informations- und Machtzentrum in Organisationen geworden und entscheidet qua Datenhoheit und internem Wissensvorsprung über die großen strategischen Fragen der Zukunft. Lieferantenaudits, Meetings und Workshops laufen in der Regel in der virtuellen Welt ab. Man betritt binnen Sekunden mittels Headset mit seinem persönlichen Avatar die gewünschte fotorealistische Destination. Der Wertbeitrag des Einkaufs liegt in diesen Tagen weniger in Kosteneinsparungen als im Erkenntnisgewinn aus dem Datenmanagement.

Intelligente Algorithmen sind Berater und Kollegen zugleich.

Damit verbunden ist eine starke Ausweitung der Verantwortung und der Anforderungen an Manager und Mitarbeiter im Einkauf. Deshalb hat sich auch das Management Development stark verändert: Wer in den Jahren 2035+ eine Führungsposition im Einkauf einnimmt, wird von Anfang an auch und gerade für die Unternehmensführung qualifziert
und entwickelt.

3. Szenario | Das Einkaufs Department löst sich auf

Nicht Maschinen, sondern Menschen formen das Szenariobild dieser lokal organisierten Zukunft: Ein Heer über die ganze Welt verstreuter freier Mitarbeiter (Freelancer) trägt die Hauptlast der Wertschöpfung.

… und der Einkauf?

Die Einkaufsabteilung wurde aufgelöst und durch fluide Organisationsstrukturen ersetzt. Es gibt nicht mehr den Einkäufer, sondern Projektmanager kaufen an dezentralen Produktionsstandorten projektbezogen Materialien und Dienstleistungen ein. Sie übernehmen auch das Personalmanagement für interdisziplinäre Teams. Pikanterweise sind viele frühere Procurement-Mitarbeiter nun ebenfalls Freiberufler und werden, insbesondere für Projekte bestimmter Warengruppen und deren Risikomanagement,
befristet eingekauft.

Die Einkaufsabteilung wurde aufgelöst und durch fluide Organisationsstrukturen ersetzt.

Projektleiter werden bei Einkaufstätigkeiten immer noch wie in den Jahrzehnten zuvor hauptsächlich an Kosten und Einsparungen gemessen.Insbesondere auch, weil in dieser Projektwirtschaft die Personalkosten und Tagessätze stark divergieren. Damit einhergehend haben Verhandlungen mit Partnern und Mitarbeitern enorm an Quantität zugenommen.

4. Szenario | Die Kreativagentur - der Einkauf erfindet sich neu

Auch in diesem Szenario steht der Mensch im Mittelpunkt. Wobei durch die starke Zentralisierung sämtliche relevanten Informationen an einer zentralen Stelle zusammenlaufen: beim Einkauf, der sich in einer veränderten Welt neu erfunden hat. Die Procurement-Abteilung ist zur Agentur für Geschäftsmodellentwicklung, Trendmanagement und selbst zum Kreativdienstleister geworden.

… und der Einkauf?

Einkauf gibt es in seiner bisherigen Form nicht mehr. An seine Stelle tritt eine interne Agentur, die neue Geschäfts- und Finanzmodelle für das Unternehmen entwickelt. Diese Agentur selektiert und managt das Wissenschaftsnetzwerk, die zahlreichen Kreativen und die Innovationsteams im Unternehmen.

Einkaufsspezialisten in der Agentur stellen ihr Know-how zentral nicht nur dem Unternehmen, sondern auch den Mitarbeitern und Kollegen zur Verfügung.

Mit sogenannten Procurement Malls, die auch den privaten Bedarf bündeln, erzielen sie beispielsweise für den Endkonsumenten und Kollegen dank ihrer Kaufkraft substanzielle Mengenrabatte und andere Vergünstigungen. Einkäufer bringen für diese neue Agenturrolle alle Voraussetzungen mit, die bereits in der heutigen Gegenwart angelegt sind: Kenntnis der Produkte des Unternehmens, Know-how bei der Innovation durch die jahrelang gepflegte Supplier Innovation und schließlich die traditionelle Kompetenz in Verhandlungs- und Menschenführung. In diesem Szenario gilt: Der Einkauf hat sich neu
erfunden.

Quelle: KPMG | Studie: Future-Proof Procurement 2016
Die komplette Studie können Sie hier herunterladen >>> KPMG Studie zum Einkauf 2035

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